Warum alternative Bestattungsformen immer beliebter werden
Die Art und Weise, wie wir trauern und Abschied nehmen, hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Während frühere Generationen eher klassische Beerdigungen bevorzugten, bei denen Kirche und Friedhof zentrale Rollen spielten, entscheiden sich immer mehr Menschen heute für alternative und persönlichere Formen des Abschieds. Bestattungsrituale sind vielfältiger geworden, und die Individualität des Verstorbenen rückt zunehmend in den Fokus.
Alternative Bestattungsformen wie die Waldbestattung, die Seebestattung oder die Feuerbestattung bieten eine Möglichkeit, den Abschied auf eine Weise zu gestalten, die dem Leben und den Wünschen des Verstorbenen entspricht. Statt in einem traditionellen Friedhofsumfeld werden die Verstorbenen in Wäldern beigesetzt, an Seeufern verabschiedet oder in Gedenkstätten erinnert, die ihnen und ihren Angehörigen besonders wichtig sind.
Leben wie Tod
Ein wichtiger Grund für diesen Wandel liegt in der zunehmenden Individualisierung unserer Gesellschaft. Heute geht es vielen Menschen darum, das eigene Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten – und das gilt auch für den Abschied. Die Vorstellung, den letzten Weg an einem Ort zu gehen, der symbolisch für das Leben und die Vorlieben des Verstorbenen steht, ist für viele tröstlich. Statt ein Grab auf einem Friedhof zu pflegen, wollen Hinterbliebene lieber an einem Ort der Natur oder an einem anderen besonderen Platz Abschied nehmen, der auch für den Verstorbenen eine persönliche Bedeutung hatte.
Auch das Bewusstsein für die Umwelt spielt eine Rolle. Naturbestattungen sind meist ökologischer, da Grabsteine, Grabeinfassungen und aufwendige Grabpflege entfallen. Stattdessen bleiben die Gedenkorte schlicht und naturbelassen – der Verstorbene findet Ruhe inmitten von Bäumen oder in der Weite des Meeres. Es besteht heute keine Scham mehr, andere Wege zu gehen, als sie vielleicht noch unsere Eltern oder Großeltern gewählt haben.
Die Freiheit, den Abschied individueller und persönlicher zu gestalten, wird als Bereicherung empfunden und zeigt, dass Trauer ein sehr persönlicher Prozess ist. Diese Freiheit wird von Angehörigen oft als wertvoll empfunden, weil sie ihnen Raum gibt, ihre Trauer auf eine Art zu leben, die authentisch ist und im Einklang mit dem Verstorbenen steht.
Die wachsende Nachfrage nach individuellen Bestattungsformen zeigt, dass es keine “richtige” oder “falsche” Art des Abschieds gibt. Jeder Mensch trauert anders, und das Bedürfnis, diesen Moment persönlich zu gestalten, spiegelt die Offenheit unserer Zeit wider.
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